Begegnung auf Augenhöhe

Was bedeutet es, seinem Tier auf Augenhöhe zu begegnen? Überall liest und hört man diese Redewendung. Aber was genau ist damit gemeint? Ich weiß nicht, was andere darunter verstehen, ich kann nur schreiben, was „auf Augenhöhe begegnen“ für mich bedeutet.

Telepathische Tierkommunikation ist möglich durch das Vorhandensein von ganz feine Antennen, durch den Willen wirklich zuhören zu wollen, durch die Bereitschaft, das eigene Ego außen vor zu lassen und durch die Offenheit, alles anzunehmen und anzuerkennen, was von Seiten des Tieres kommt. Das bedeutet unter Umständen auch, liebevoll zu akzeptieren, dass das Tier gerade nicht sprechen möchte. Und da beginnt bereits die Ebene der Augenhöhe. Bei mir.

Ich muss mich nicht größer oder kleiner machen, um eine gewisse Größe / Höhe zu erreichen. Ich bin nicht mehr wert oder wichtiger oder bedeutender als mein Gesprächspartner. Ich habe vielleicht andere Vorstellungen, Einsichten oder Erkenntnisse im Laufe meines Lebens gewonnen, aber das ist völlig wertfrei und spielt keinerlei Rolle in der Anerkennung meines Gesprächspartners als eigenständiges Individuum. Als professionelle Tierkommunikatorin, Radiästhäsistin, Energetikerin, Lehrerin, Trainerin, Frau, Tierhalterin, Reiterin, Hundehalterin, Katzenmama, Künstlerin, Studienrätin, als was oder wer auch immer begegne ich im Gespräch mit einem Individuum. Dieses Individuum kann zB menschlich oder tierisch sein. (Und irgendwie gehören wir Menschen ja eigentlich auch in die Kategorie Tiere …) Um ein konstruktives Gespräch führen zu können, in dem alle realistischen Worte kommen können, gehört werden und angegangen werden mögen, ist es unabdingbar, eine vertrauensvolle Umgebung zu gestalten und eine offene Gesprächshaltung einzunehmen. Nur dann ist Lernen oder Austausch wirklich möglich.

 

Für mich bedeutet die Redewendung „auf Augenhöhe begegnen“ eine innere Haltung leben. Ich sehe meine Tiere oder die Tiere in den Tiergesprächen oder im Training als fühlende Wesen mit eigenen Bedürfnissen und Rechten. Sie haben individuelle Persönlichkeiten, besondere Befindlichkeiten, Eigenheiten, Ängste und Grenzen, ihren eigenen Ausdruck. Dabei ist es unerheblich, ob ich die Äußerungen gerade verstehen oder nachvollziehen kann. Ich akzeptiere, dass es dem Tier gerade so geht. Ich stelle die Befindlichkeit nicht in Frage. Ich höre zu, nehme auf – neutral, liebevoll, offen. Ich bewerte weder positive noch negative Kritik oder stelle die Empfindungen in Abrede oder mache sie klein. Für mich bedeutet auf Augenhöhe sein, eine Haltung und Atmosphäre von Respekt, Achtsamkeit und Vertrauen zu leben.

 

Bedeutet stirbt, dass jeder machen kann, was er/sie will? Ganz klar, das bedeutet es nicht. Augenhöhe ist keine Anarchie und es ist auch kein Anzeichen von Schwäche, welche jemand ausnutzen kann. Es ist eine Haltung von gegenseitigem Respekt unter Individuen, die die gleichen Rechte haben. Ja, das bedeutet auch, dass es verschiedene Meinungen gibt, die unter Umständen abgeglichen werden müssen. Dies ist die Basis für belastbare Kompromisse. Mal tritt der eine von seinen Vorstellungen zurück, mal lässt sich der andere ein, mal gibt es eine gemeinsam akzeptierte Vorgehensweise. Zum besseren Verständnis gibt es ein paar kurze Beispiele:

 

1. Ich wollte ausreiten, aber mein Pferd signalisierte mir, dass es heute nicht sterben möchte. Reiten ist gar nicht gut, aber freies Spiel geht. Ich lasse mich darauf ein.

 

2. Wir wollen über die Straße und mein Pferd möchte am Straßenrand Eicheln suchen. Es kommen große Erntemaschinen um die Kurve. Ich höre sie, sehe sie, sie sind noch etwas entfernt, aber an der Stelle, wo wir gerade stehen, ist es eng. Um die sich anbahnende knifflige Situation zu entspannen, setze ich meinen Weg fort, das Pferd muss sich darauf einlassen. – Aber: Ich erkläre im Weitergehen die Situation.

 

3. Schon auf dem Weg zum Stall habe ich meinem Pferd mental die Botschaft geschickt, dass ich gleich da bin und gerne ausreiten möchte. Bei meiner Ankunft steht mein Pferd am Paddocktor und wartet auf mich. Gemeinsam geht es dann zum Putzen, Satteln und ins Gelände.

 

 

Für mich ist hierbei wichtig, dass ich auf die Zeichen, die mein Tier mir achte sendet. Erlaubt es unsere Sicherheit, spricht nichts dagegen, Pläne zu ändern. Muss ich aus vorausschauenden Überlegungen entscheiden und die Entscheidung steht nicht zur Diskussion, dann erkläre ich zumindest, warum ich so handle. Das Tier versteht mich. Immer. Wenn ich die Botschaft in Bilder verpacke, klappt es sogar meistens noch besser. Wenn ich dabei die möglichen Gefahren und das Vorgehen in meine Botschaft einfließen lasse, dann kann mein tierischer Partner damit etwa beginnen. Auf das zweite Beispiel angewandt könnte meine Botschaft so lauten: Da kommt ein Mähdrescher, lass uns über die Straße bevor er hier ist, dann sind wir in Sicherheit und das laute Teil engt uns nicht ein. Komm, lass uns schnell über die Straße und in Sicherheit.

 

Dies Vorgehen bedeutet nicht, dass ich meinen Willen durchsetze, weil ich es kann. Es bedeutet, dass ich für unsere Sicherheit sorge, das Umfeld im Blick habe, mögliche Gefahren einschätzen und bewerten kann und einen funktionsfähigen Plan entwickle und umsetze, der für das Wohl aller sorgt. Genau das würde auch ein Leittier tun. Nachvollziehbar und zum Wohle aller Handlungen schafft Verlässlichkeit und Vertrauen. Willkür und Unberechenbarkeit schaffen Unsicherheit und Widerstand.

 

Wenn mein Handeln für das Tier verständlich ist, wird mir klar, dass ich auch seine Bedürfnisse und Vorschläge berücksichtige, dann kann es sich als Partner fühlen. Jedes Lebewesen möchte gesehen und verstanden werden, braucht Raum für seine Individualität, Bedürfnisse und Wünsche und wird mit seinen Ängsten und Grenzen wahrgenommen werden. Und genau das bedeutet für mich, sich auf Augenhöhe zu begegnen: Wahrnehmen, Raum geben, akzeptieren, gegenseitige Fürsorge und Vertrauen, verantwortungsvoll handeln.

 

Vor ein paar Wochen hat jemand mit voller Überzeugung verkündet, mit einem 600 kg schweren Tier kann man ja wohl nicht diskutieren. Das muss tun, was Mensch will, sonst sei das viel zu gefährlich. Und der Gehorsam muss dann eben durchgesetzt werden. Sie können keine Tierkommunikation und das Pferd muss sich da eben anpassen.

 

FALSCH! Verständnis kann aufgebaut werden. Und niemand möchte mit der Einstellung dominiert werden, dass die eigene Meinung/Idee/Sorge/Angst unwichtig ist und man sich eben hinzufügen muss, weil das jemand bestimmt, der es gerade durchsetzen kann. Nicht von ungefähr kommen „ausgeschaltete“ Tiere, erlernte Hilflosigkeit und „unhändelbare“ Tiere. Dann darf man auch nicht vergessen, dass Pferde Fluchttiere sind. Ihre primäre Reaktion in bedrohlichen Situationen ist die Flucht, um in Sicherheit zu gelangen. Warum sollte ein Fluchttier auf seine Sicherheit verzichten, nur weil ein Mensch sich einbildet, die Lage im Griff zu haben und dabei noch nicht einmal erkannt, was das Pferd gerade durchmacht. Aus meiner Sicht und der des Pferdes ist das völlig unlogisch. Aus Sicht des Pferdes ist es hochgradig gefährlich und kann tödlich enden.

 

Jedes Tier versteht die Bilder, die ein Mensch ihm schick ist, erst recht, wenn dies mit der Absicht der Kommunikation aus einer Haltung von Achtsamkeit geschieht. Die Tiere lesen uns, ob wir es wollen oder nicht. Immer. Wir Menschen können gar nichts dagegen tun. Telepathie ist ein elementarer Sinn, der nur bei den Menschen öfter mal verkümmert ist. Tiere nutzen ihn ganz natürlich und selbstverständlich. Je mehr sich der Mensch diesem Sinn und der Anwendung der Telepathie in seinem Leben bewusst wird, umso intensiver wird der Austausch mit seinem Tier. Jeder, der das ausprobieren will, wird die Ergebnisse in seiner menschlich-tierischen Beziehung ermitteln können. Dazu muss man kein ausgebildeter Tierkommunikator oder professioneller Tierkommunikator sein, aber natürlich hilft es, zu wissen was man tut. Naja, das hilft eigentlich immer .-)

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